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22.05.2018, 13:24 Uhr | nane

Mehr sportliche Erfolge

Eberhard Gienger, MdB, im Sport-Gespräch bei Andreas Statzkowski

Bitte unbedingt noch einmal zusammensetzen - so lautet das Fazit des ersten Sport-Gesprächs mit Eberhard Gienger, MdB und Reck-Weltmeister von 1974, im Bürgerbüro Andreas Statzkowski mit verschiedenen Vereinsteilnehmer und Sport-Interessierten. In einem offen und ehrlich geführten Gespräch reichten die Themen von der Bedeutung des Sports in der Großen-Koalition, über die Spitzensport-Reform, sowie die Olympiabewerbung und duale Karriere bis hin zur Bedeutung der Vereine.

Eberhard Gienger gab bei jeder Frage bereitwillig Auskunft. Zum Beispiel zur Bedeutung des Sports in der Großen Koalition. „Klar ist, dass die größte gesellschaftliche Bewegung in Deutschland unterstützt werden muss“, sagt Gienger. Aber sie muss auch hinterfragt werden, z.B. im Spitzensport. Dies geschieht nun bei der Spitzensport-Reform, die momentan Schwerpunktthema ist. Dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, DOSB, ein Fragenkatalog erstellt und beantwortet, z.B. ob die momentan 4000 Athleten, die von der Sporthilfe gefördert werden, auch weiterhin unbedingt alle gefördert werden müssen. Oder: Werden weiterhin alle unterschiedlichen Leistungszentren benötigt? Das Ergebnis: Der DOSB stimmt der Spitzensport-Reform zu, will aber mehr Geld vom Bund, um sie auch umzusetzen.

Eines der Ergebnisse dieser Reform ist PotAS - das neue Potenzial-Analyse-System -  das nun zur Anwendung kommt. Hiermit sollen nicht mehr nur vergangene Erfolge bei der Förderung der Fachverbände maßgeblich sein, sondern auch strukturelle Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, wenn sie erfolgversprechend für die Zukunft sind. Ein Modell aus verschiedenen Kriterien unterschiedlicher Gewichtung dient als Grundlage der Berechnung für die Ausschüttung der Fördermittel. Ziel ist es, durch gezielte Förderung mehr Erfolge im Sport zu erreichen. Die höchste finanzielle Förderung erhalten dann die Verbände, die im sogenannten Excellenzcluster landen.

Die Vereinsvertreter wiesen auf Schwachstellen hin, wenn man es in der Bewertung nicht ganz nach oben schaffe. Gienger versuchte das Argument wie folgt zu entkräften. „PotAS ist nur eine Entscheidungshilfe, mehr nicht. PotAS darf keine Chance sein, der Schneeball im Hochofen zu werden“, betonte er.

Olympia lohnt sich, wenn die Menschen es wollen

Zu Olympia: Laut Eberhard Gienger stellt sich die Frage, ob Deutschland überhaupt eine solche Großveranstaltung will oder die Bevölkerung Olympia satthat. „Wenn wir den Wert und die Zugkraft den Menschen verständlich machen können, lohnt sich das“, sagt der ehemalige Spitzensportler Gienger.

Für den Spitzensportler da sein

In der Diskussion merkte jeder, dass für Eberhard Gienger die Sportler im Mittelpunkt stehen. Erst recht, wenn es um Themen wie duale Karriere und Altersversorgung geht.

„Wir mussten uns damals um die berufliche Karriere alleine kümmern – und zwar entweder neben dem Training oder, um wenig Zeit zu verlieren, gleichzeitig. Das Netz des Staates hat uns nicht aufgefangen.“ Momentan will die Sporthilfe ein Alterssicherungs-Konzept umsetzen.  „Aber dafür benötigt sie Geld und erwartet etwa 12 Millionen Euro“, so Gienger weiter.

Und wenn schon mal Summen genannt werden, so will Gienger auch öffentlich machen, dass der Staat die Athleten keineswegs so unterstützt, dass die davon problemlos leben können. „Ein Spitzenathlet wird im Durchschnitt mit monatlich 540 Euro unterstützt“, sagt er, „das wollen wir auf 1200 Euro und damit um mehr als das Doppelte erhöhen.“

Die Vereinsvertreter sprachen auch die duale Karriere-Möglichkeit der Athleten an und bemängelten besonders, dass Spitzensportler, die Medizin an der Charite studieren wollen, keine Chance hätten trotz eines Abiturdurchschnitts von 1,2.  Das ärgerte auch Andreas Statzkowski. „Und das vor allem, trotz der Einführung der Profilquote für Berliner Spitzensportler in der letzten Legislaturperiode.“, betonte er. „Da das aber im Belieben der Fakultät liegt, kann die auch anders reagieren“, erläuterte Andreas Statzkowski weiter.

Daraufhin antwortete Gienger, „dass die Deutsche Sporthilfe sich eingebracht und Partner-Unis geworben habe, die ein spezielles Label haben und Sportler fördern.“ Sein besonderer Tipp: In kleinen Städten klappe das oft gut.

Der Verein ist immer die Grundlage

Last but not least ging es um die Grundlage des Spitzensports, um den Verein. Einhellige Meinung war, dass die Vereine zu wenig gewürdigt werden. Oft wird vergessen, dass sie es sind, die den Breitensport erst möglich machen, die dafür sorgen, dass Talentförderung betrieben werde und vieles andere mehr. Wenn die Talente dann jedoch den Sprung zum Spitzensport schaffen, gebe es keine Möglichkeit des Einflusses seitens der Vereine, da die Bundesebene das Monopol für Benennung und Struktur im Hochleistungssport habe. So kann es passieren, dass Wettkämpfe auf Bundesebene angesetzt werden, die dann mit denen auf Verein- oder Landesebene kollidieren. „Das habe ich am eigenen Leib erlebt“, erläuterte Gienger die Situation von 1968. „Damals gab es den Streit, wie Athleten in der Bundesliga turnen und fast gleichzeitig bei internationalen Wettkämpfen Leistung bringen sollten.“  Sein Rat: „Da muss man sich zusammensetzten und nach Lösungen suchen.“

Allerdings war der Vorwurf, dass der Verein zu wenig Beachtung findet, für ihn nicht nachvollziehbar. „Der Verein ist immer die Grundlage“, so seine Aussage. „Um den Verein kümmern muss sich aber der Verband und nicht der Bund.“

Neu war dagegen für Gienger, dass auch Spitzensportler noch Fördermittel und Geld von ihren Vereinen bekommen, wenn sie bereits in der Spitzensportförderung sind - z.B. Prämien für bestimmte Siege, Titel oder Medaillen. Hier zeigte sich, dass ein Gedankenaustausch für alle Seiten nützliche Informationen bringt und weitere Sport-Gespräche gewünscht werden. Auch weil nicht alle Themen besprochen werden konnten.

EIN NEUES STADION FÜR HERTHA BSC ?
Hertha BSC soll ein neues Stadion auf dem Gelände des Olympiaparks bauen!
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Es soll alles so bleiben, wie es ist. Kein Neubau und auch kein Umbau!