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21.08.2018, 18:35 Uhr | nane

„Wir retten auch mit ner Schubkarre!“

Mit einer brennenden Tonne vor dem Roten Rathaus gelingt es der Berliner Feuerwehr unter dem Hashtag #berlinbrennt bundesweit Schlagzeilen zu machen. Viel passiert ist dann aber nicht. Die Versprechen, die der Senat damals machte, werden nur sehr zögerlich umgesetzt. Jetzt wird es Zeit, dass auch die Bürger die Feuerwehr etc. unterstützen, denn uns alle kann es treffen. Wer will schon 40 Minuten warten, bis ihm in einer Notsituation geholfen wird?

Das dieser Zustand jetzt durchaus schon Realität ist, wurde in der Diskussion zum Thema #berlinbrennt mehr als deutlich. Das Bürgerbüro Andreas Statzkowski war trotz tropischer Hitze proppenvoll, als Bodo Pfalzgraf, stellvertretender Landesvorsitzender des Berliner Beamtenbundes, zu den Problemen Stellung nahm. Pfalzgraf ist seit 39 Jahren Polizist mit Nähe zur Feuerwehr. „Der Fuhrpark der Feuerwehr ist ein Technikmuseum,“ bringt er es auf den Punkt.

Der Ist-Zustand ist frustrierend

Die Berufsfeuerwehr müsse derzeit oft Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr nehmen, da die eigenen Altfahrzeuge sind. Ein neues Feuerwehrauto zu bestellen dauert etwa drei bis vier Jahre, da jeder Wagen eine Extra-Anfertigung ist – je nach Bedarf auf die Aufgaben zugeschnitten. Ein Löschfahrzeug rechnet sich nach 12 Jahren nicht mehr (z.B. wegen der hohen Reparaturkosten). Der Senat müsse daher eigentlich jedes Jahr zwölf neue kaufen, nur um den jetzigen Stand halten zu können. Davon ist man weit entfernt. „Und über die persönliche Ausstattung möchte ich erst gar nicht reden“, kommentierte Pfalzgraf frustriert den Ist-Zustand in vielen Feuerwachen.

Niemand wird zur Rechenschaft gezogen

Warum es immer öfter längere Wartezeiten gibt, als die vorgesehen acht Minuten bis ein Rettungswagen bzw. die Feuerwehr eintrifft, erklärt er so: „Das ist nur eine Verwaltungszahl. Solange ich denken kann, haben sich die Eintreffzeiten verschlechtert.“ Und zur Rechenschaft werde dafür niemand gezogen.

Die Gründe sind vielschichtig:

Es gibt zu wenig Personal. Derzeit gibt es 3200 Feuerwehrleute, davon sind etwa 700 anders im Einsatz, z.B. auf der Wache, als Ausbilder etc.

Die Besoldung in Berlin ist die schlechteste bundesweit.

Die Mehrbelastung - da etwa 1500 Feuerwehrleute fehlen – geht zu Lasten der Freizeit anderer, die Überstunden leisten müssen.

Fehlender Respekt: Feuerwehr, Polizei, Rettungskräfte werden behindert, beschimpft, bespuckt oder angegriffen. Dabei bemängelte Pfalzgraf, dass der Gewaltbegriff in Berlin nicht definiert sei. Zudem würden nicht mal 50 Prozent der Fälle von Beleidigung oder Gewalt angezeigt. Zudem gebe es keinen Datenaustausch zwischen Polizei und Feuerwehr, sodass Kollegen präventiv geschützt werden könnten. Ein konstruierter Fall soll als Beispiel dienen: Notruf wegen häuslicher Gewalt mit verletzter Person – niemand im Rettungswagen weiß, dass der Polizei der Täter schon seit längerem bekannt ist und dass drei gefährliche Hunde in der Wohnung gehalten werden.

Probleme bei der Bewerberlage. Die Qualität derjenigen, die sich z.B. bei der Landesfeuerwehrschule bewerben, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Immer öfter schaffen die Bewerber z.B. den 5000-Meter-Lauf nicht in der zu absolvierenden Zeit. Und wenn 7:00 Uhr Dienstantritt ist, dann heißt das auch um 7:00 Uhr da zu sein – und nicht um 8:00 Uhr. „Man muss schon brennen für diesen Beruf, der nicht immer leicht ist“, appellierte Bodo Pfalzgraf. Im Zuhörerkreis waren auch etliche aktive Feuerwehrleute. Sie wiesen darauf hin, dass sie trotz schlechter Bedingungen, ihren Beruf lieben und immer noch hochmotiviert sind. „Wir retten mit dem was wir haben – notfalls auch mit ner Schubkarre. Aber jetzt muss man sagen, dass die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, mehr als mangelhaft sind. Nicht nur für uns – auch für die Bürger hat das Folgen.“

Andreas Statzkowski wies darauf hin, dass er in seiner Zeit als Staatssekretär für Inneres und Sport (2011 – 2016) bei den Etatverhandlungen mit am Tisch gesessen habe. Damals forderte Innensenator Frank Henkel mehr Personal für Polizei und Feuerwehr. „Aber“, so Andreas Statzkowski, „das ist auch immer eine Frage des Geldes. Der zuständige Finanzsenator stand damals auf der Bremse.“

Nicht in Legislaturperioden denken

Und da sah Bodo Pfalzgraf dann auch einen wichtigen Denkanstoß. „Dinge der Daseinsvorsorge dürfen nicht in Legislaturperioden gedacht werden.“ Nur langfristige Lösungen machen Sinn. Zudem regte Pfalzgraf an, mehr für das Bewusstsein in der Bevölkerung zu tun und zu demonstrieren, wie wichtig gerade das Rettungswesen für die Allgemeinheit ist. „In den USA werden Heldenabzeichen für Einsatzbereitschaft vergeben – da weiß die Öffentlichkeit, wie wichtig Menschen sind, die Leben retten,“ machte Pfalzgraf einen Vorschlag für eine intensivere PR. Und noch eine Idee zur Verbesserung der Lage nannte er. Jedes Jahr verlassen einige Tausend gut ausgebildete die Bundeswehr. „Da rekrutieren wir zu wenig“, so seine Meinung.

Nach den konstruktiven Vorschlägen äußerte Pfalzgraf aber auch Kritik. „Eigentlich müsste die Tonne wieder brennen, denn die am 30. April 2018 zugesagten Verbesserungen lassen seitens des Senats teilweise noch auf sich warten.“ So wurde versprochen, die über Jahre angesammelten Überstunden zum 1. Mai zu bezahlen. Real wird aber erst ab Ende August mit der Auszahlung begonnen, die letzten Abteilungen werden dann Ende Oktober ihre Überstunden bezahlt bekommen. Andreas Statzkowski versprach, mit unterschiedlichen Anfragen die Berliner Feuerwehr zu unterstützen.

Lange Wartezeiten bald Realität

Aber die Tonne erneut brennen zu lassen wird schwer. Die Feuerwehrleute hatten die Aktion privat organisiert. Trotz Überstunden und starker Dienstbelastung machten sie freiwillig diese Mahnwache – und zwar über Wochen in der Kälte der Jahreszeit und das inclusive der Nächte. Wenn sich aber nichts Gravierendes ändert, müssen die Berliner bald 25 Minuten warten bis ein Löschfahrzeug kommt, 30 Minuten bis ein Notarzt da ist und etwa 40 Minuten bis ein Rettungswagen eintrifft.

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