Neuigkeiten

02.04.2019, 19:07 Uhr | nane

Herthas Stadion-Pläne im Olympiapark so nicht umsetzbar

Hertha BSC kann vorerst kein neues Stadion bauen – zumindest nicht im Olympiapark. Der Verkauf von 24 Wohnungen, die für den Stadion-Neubau hätten weichen müssen, wurde von der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG abgelehnt.

Diese Nachricht wurde nur knapp eine Woche nach der Großveranstaltung des CDU-Abgeordneten Andreas Statzkowski bekannt, der unter anderem die Anwohner zu einem Diskussionsabend am 27. März eingeladen hatte.

Fachleute und Betroffene tauschten sich über die momentane Situation aus. Den Anliegen der Bewohner wurde damit erstmals öffentlich Gehör verschafft. Alle wichtigen Argumente gegen den Stadionbau wurden ausführlich dargelegt. Wir dokumentieren die Aussagen hier nochmals im Einzelnen.

Dass die Genossenschaft nicht mehr bereit ist, die Häuser zu verkaufen, freut vor allem die Anwohner. Diese fühlten sich von den Hertha-Verantwortlichen nicht ausreichend informiert, wie sie im Rahmen der Diskussion mitteilten.

Großer Andrang, ausführliche Berichte

Die Aula der Charles-Dickens-Grundschule war fast zu klein für den großen Andrang. Schnell wurde klar, dass seit Monaten kein Hertha-Verantwortlicher zu einer Diskussion mit den Betroffenen bereit gewesen ist. Der Ärger darüber war riesengroß. Das Thema traf auch den Nerv der Hauptstadtpresse, die ausführlich berichtete.

Herthas Probleme bei der Kommunikation der Stadionpläne (Berliner Morgenpost, 28.03.2019)

Das Schweigen von Hertha BSC (Der Tagesspiegel, 28.03.2019)

Anwohner rebellieren gegen Herthas Stadionpläne (rbb 24, 28.03.2019)

Kritik an Hertha von allen Seiten

Das Podium aus Fachleuten und Betroffenen übte einhellig Kritik an den Plänen der Hertha-Verantwortlichen und der mangelnden Kommunikation.

Johannes Zurl, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ruhleben, hat sich des Themas persönlich angenommen: „Wir machen die Arbeit, die Hertha machen sollte.“ Vor einem Jahr habe er zuletzt mit Klaus Teichert, Chef der Hertha BSC Stadion GmbH, gesprochen – seitdem herrsche Stille seitens des Fußballclubs.

Auch Andreas Hilmer, Präsident des Bezirkssportbundes Charlottenburg-Wilmersdorf, kennt das Problem: „Mit uns hat noch nie jemand von Hertha BSC gesprochen. Immerhin sind rund 80 Vereine und die LSB Bildungsstätte betroffen.“ Er machte gleichzeitig klar, dass es ihm wichtiger ist, noch mehr Vereine im Olympiapark anzusiedeln, als große Veränderungen.

Hans-Joachim Fenske, Vorsitzender des Sportausschusses in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf, bestätigt: „Wir hatten Hertha zu unserer BVV-Sitzung am 27.3. eingeladen, aber ein Verantwortlicher hat die Einladung bisher abgelehnt.“

Andreas Statzkowski: „Mir geht es um die Anwohner“

Andreas Statzkowski wies darauf hin, dass man Hertha BSC nicht eingeladen habe. Aus Erfahrung wisse man, dass Hertha sich öffentlich nicht äußere. „Und diesmal ist es mir um die Anwohner gegangen“, so der CDU-Abgeordnete Statzkowski. Gleichzeitig betonte er, „dass wir Hertha nicht die Zukunft absprechen, sondern wir wollen überlegen, wie wir Hertha eine Zukunft geben können.“

Dazu gehöre aber auch, dass Hertha BSC die dringenden Fragen ernst nehme und auch endlich beantworte. So beklagte Markus Schirrmeister, Sprecher für die Anwohner der Sportforumstraße: „In den Wohnungen, die wegen des Stadions weichen müssten, sind 86 Menschen betroffen. Dem Eigentümer, der Bau- und Wohngenossenschaft 1892, gehören keine adäquaten andere Wohnungen, die sie uns anbieten könnten. Inzwischen hat die Genossenschaft uns gesagt, dass für ein Hertha-Angebot nur bis 31.3. die Tür offen ist.“ Diese Frist in jetzt verstrichen. Im Gespräch ist stattdessen, dort neue Häuser zu bauen. Die Tür für Hertha ist jedoch zu.

Arne Herz, Vorsitzender der CDU Westend, und Moderator des Abends, wies bereits in der Versammlung darauf hin, dass allein neue Wohnungen nicht reichen. Auch der Mietpreis pro Quadratmeter von etwa 8 Euro müsse garantiert sein.  

In Herthas Ersatzbaugebiet ist bauen verboten

Hertha hat als Ersatzbaugebiet in der Nähe des Olympiaparks die sogenannten Baumannschen Wiesen angeboten. Johannes Zurl, IG Ruhleben, erklärte, dass es hinsichtlich dieses Areals einen Bürgerbeschied gibt, der dort keine Bebauung zulasse, da es sich um geschützte Grünflächen handele.

Gleichzeitig wies Christian Hönig vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) darauf hin, dass ihm die vorausschauende Planung fehle. Da Berlin wachse, würden immer mehr Freiflächen benötigt – und das bedeute nicht, dass Wald und Grün verschwinden dürfen.

Dennis Buchner, SPD: „Hertha hat nur eine Stadion-Idee“ – aber kein Konzept

Der Einladung von Andreas Statzkowski waren aber nicht nur Anwohner und Betroffene gefolgt. Auch der sportpolitische Sprecher der SPD, Dennis Buchner, meldete sich zu Wort. Für ihn stand fest: „Hertha hat nur eine Stadion-Idee“, bedenke aber nicht die Anforderungen, die für ein neues Stadion nötig sind. Sein Fazit: „Bis 2025 wird Hertha hier kein Stadion bauen.“

In der anschließenden Fragerunde klang unter anderem auch an, ob denn zwei Stadien nebeneinander überhaupt möglich sein könnten. Bevor diese Frage überhaupt beantwortet werden konnte, ergaben sich daraus gleich weitere Fragen. Was ist mit der Lärmbelästigung? Wird es dann noch mehr Veranstaltungen geben? Was wird aus dem Olympiastadion ohne Bundesliga-Spiele?

Die Antworten lauten: Momentan gibt es überhaupt kein Lärmgutachten des Berliner Senats. Mehr Veranstaltungen wird es nicht geben, da die Anzahl pro Jahr gesetzlich festgelegt ist. Für die Nachnutzung des Olympiastadions gibt es ebenfalls keinen Plan.

Kein Risiko für den Steuerzahler

Alexander Kraus vom Bund der Steuerzahler in Berlin e.V. betonte, dass Hertha BSC keiner staatlichen Förderung bedürfe. „Und beim Erbbauzins darf der Senat keine Zugeständnisse machen.“ Er verwies darauf, dass ein Fußball-Bundesligist wie Hertha BSC ein Wirtschaftsunternehmen sei und auch bei Misserfolg – gemeint war ein Abstieg – die finanziellen Aspekte allein zu verantworten habe. „Das Risiko eines Stadion-Neubaus darf nicht letztendlich beim Steuerzahler landen.“

Statzkowskis Fazit: Stadion-Umbau möglich, aber nur mit Bedingungen

Der CDU-Abgeordnete Andreas Statzkowski resümierte: „Es sollte das Ziel sein, dass bei Beibehalt der Leichtathletikanlagen, Hertha BSC im Olympiastadion bleiben sollte, um den Steuerzahlern einen jährlichen Zuschuss zum Betrieb des Olympiastadions zu ersparen und vielmehr das Stadion weiter zu entwickeln.“

IST WESTEND DER SCHÖNSTE ORTSTEIL BERLINS?
Auf jeden Fall
Joa, ist ganz schick
Es gibt schönere