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05.06.2019, 15:37 Uhr | nane

Pflegeversicherung - ein Buch mit vielen offenen Fragen

Mehr als drei Millionen Menschen beziehen in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung. Davon werden allerdings rund 75% zu Hause gepflegt. Wer sich um einen zu pflegenden Angehörigen kümmert oder demnächst kümmern will, konnte bei Christine Schmidt-Statzkowskis Vortrag „Hilflos in der Pflegesituation“ so manchen Tipp mitnehmen. Zudem erfuhr er, was Begriffe wie Pflegegrad, Pflegemodule, Pflegehilfsmittel und Pflegesachleistung bedeuten.

„Der Pflegegrad entscheidet, welche Leistungen Sie aus der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen können. Sie müssen ihn allerdings selbst beantragen“, so der erste Hinweis von Christine Schmidt-Statzkowski. „Und zwar bei ihrer Krankenkasse.“  Die sorgt dann dafür, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) kommt, um den Pflegegrad festzustellen. „Und dann bitte nicht aufräumen oder sich besonders gut darstellen, sondern Alltag walten lassen, wenn der MDK einen Termin mit Ihnen gemacht hat.“ Denn die Umgebung des Patienten soll so sein, wie sie immer ist – sonst entstehen falsche Eindrücke, die mit der Realität wenig zu tun haben. 

Manchmal riecht es halt wie im Puma-Käfig“ 

Dazu gehört auch, dass man sich für nichts schämen muss. Menschen, die Pflege benötigen, können vieles oft nicht mehr. „Dann riecht es im Zimmer aufgrund von Inkontinenz des Patienten eben auch manchmal wie in einem Puma-Käfig. Das gehört zu unseren täglichen Erlebnissen – und zwar der netteren Art“, kommentiert die seit vielen Jahren in der Branche tätige Pflegedozentin und Fachbuchautorin. Und auch von einer Ablehnung des Pflegegrad-Bescheides soll man sich nicht schocken lassen, sondern Widerspruch einreichen. In den bezirklichen Pflegestützpunkten kann man sich kostenlos Hilfe in der Form einer Beratung holen. 

Die Pflege - Module richtig verstehen 

Im Bürgerbüro Andreas Statzkowski konnten die Teilnehmer die Fragebögen zur Bewertungssystematik der Pflegebegutachtung einsehen und eine eigene Einschätzung ihres Pflegegrades ausrechnen. Es müssen erst die Punkte evaluiert werden und dann die jeweilige Gewichtung der insgesamt sechs verschiedenen Pflege-Module, die in die Systematik der Berechnung dann Bestand haben. Die Summe der gewichteten Punkte ergibt dann die Zuordnung zu dem jeweiligen Pflegegrad. 

Entlastungshilfen sind möglich 

Christine Schmidt-Statzkowski informierte auch über mögliche Entlastungshilfen für pflegende Angehörige. So können Pflegehilfsmittel für den Einmalbedarf, wie Handschuhe etc. beantragt werden. Auch stehen den Patienten Pflegesachleistungen zu – dies ist eine häusliche Pflege von professionellen Pflegekräften, die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung umfasst. Allerdings muss eine eigene Zuzahlung geleistet werden, da bereits bei Pflegegrad 2 der aus der Pflegeleistung zustehende Betrag nicht allein ausreicht, diese erbrachte Sachleistung zu bezahlen.

Die zu pflegende Person darf einmal pro Jahr die Kurzzeitpflege für 28 Kalendertage in Anspruch nehmen. Das heißt, dass sie in eine vollstationäre Pflege kommt. Dies geschieht in einer Pflegeeinrichtung.

Zusätzlich kann auch jährlich Verhinderungspflege für 28 Kalendertage beantragt werden. Im Unterschied zur Kurzzeitpflege, kann diese auch zu Hause stattfinden. Es ist möglich, Verhinderungspflege und die Kurzzeitpflege zu kombinieren.

Gleichzeitig wies Frau Schmidt-Statzkowski darauf hin, dass es kostenlose Angehörigenpflegekurse gibt. Hier erfahren Sie, welche weiteren Möglichkeiten Sie als pflegender Angehöriger zu Ihrer Unterstützung bekommen bzw. beantragen können und wie das individuelle Pflegehandling gestaltet werden kann. 

Verbesserungsvorschläge 

Trotz vieler positiver Möglichkeiten, Pflege zu erleichtern, sprach Christine Schmidt-Statzkowski auch Dinge an, die es noch zu verbessern gilt. So wird die Entlastungsleistung in Höhe von 125 Euro /Monat z.B. für Hilfen im Haushalt, beim Einkaufen oder beim Putzen leider in Berlin nicht ausgezahlt. So muss man sich hier dafür eine zugelassene Betreuungs- oder Sozialstation suchen, die allerdings wegen Überlastung nicht zu finden ist. Christine Schmidt-Statzkowski weiß, dass das nicht überall so gehandhabt wird. „In Sachsen ist das besser geregelt. Da wird der Betrag ausgezahlt und so kann z.B. auch der Nachbar gegen Rechnungsstellung helfen.“ 

Geniale Versorgungsstruktur bei Berliner Hospizen 

Allerdings ist die Hauptstadt ganz vorne mit dabei, wenn es um die Hospize geht. 14 solcher Häuser gibt es hier, zusätzlich zwei für Kinder und Jugendliche. Hier wird alles Mögliche getan, um den letzten Weg gemeinsam positiv gehen zu können. Wichtig ist: Nur von zu Hause aus kann man in ein Hospiz kommen. Zudem benötigt man für einen Hospizplatz einen Pflegegrad sowie eine Finalbescheinigung des Hausarztes und eine Patientenverfügung.

Achtung: Wer allerdings im Heim wohnt, kann nicht mehr in ein Hospiz wechseln. 

Heim: Nur wenig Persönliches darf mit 

Heimplätze sind rar. Dazu der Tipp von Christine Schmidt-Statzkowski: „Schauen Sie sich rechtzeitig verschiedene Heime an, treffen Sie eine Auswahl und lassen sich dann dort auf eine Warteliste setzen. Rufen Sie einmal im Jahr dort an und sagen, ob Sie demnächst Bedarf haben oder momentan noch nicht.“  So kann man sich an den Gedanken gewöhnen, dass man noch einmal umziehen muss. „Und leider auch daran, dass sie nur wenige Quadratmeter Ihres alten Lebens mitnehmen dürfen, denn für mehr Möbel oder persönliche Gegenstände ist in Heimen kein Platz.“

Auch wenn das keine schönen Aussichten waren, selbstbestimmt alt zu werden, der Vortrag hat deutlich gemacht, dass rechtzeitige Information in bestimmten Situationen helfen kann, diese anzunehmen – dann mit dem guten Gefühl, rechtzeitig gehandelt zu haben und sich selbst für eine Versorgungsform zu entscheiden.

Wer im Alter gut abgesichert sein möchte, dem riet Frau Schmidt-Statzkowski zu einer privaten Pflegezusatzversicherung bereits in jungen Jahren. Dann seien die Beiträge noch nicht so hoch und werden zu einem späteren Zeitpunkt gute Dienste leisten.

IST WESTEND DER SCHÖNSTE ORTSTEIL BERLINS?
Auf jeden Fall
Joa, ist ganz schick
Es gibt schönere