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16.10.2019, 12:31 Uhr | nane

Westend macht Wirbel in Deutschland

Andreas Statzkowski kämpft für den Erhalt von Weihnachtsmarkt am Schloss und Zirkus am Olympiastadion

Aber die Zeit dafür ist knapp. Beim Diskussionsabend erfuhren die 70 Interessierten, warum die reale Gefahr besteht, dass die Westender und auch andere Berliner möglicherweise auf beide Highlights des Jahres verzichten müssen. Der Grund: Für beide Veranstaltungen gibt es immer noch keine Zustimmung der zuständigen Berliner Behörden.

 

Tommy Erbe, Veranstalter des Weihnachtsmarktes am Schloss, hat immer noch keine Genehmigung für seinen Markt in diesem Jahr. Wenn dies nicht innerhalb kurzer Zeit geschieht, wird es den Weihnachtsmarkt 2019 nicht geben, denn die Vorbereitungszeit ist dann zu kurz. Zum Hintergrund: Tommy Erbe hatte 2018 vom Bezirk die Auflage bekommen, die zur Terrorabwehr nötigen Polder selbst zu bezahlen. Um den Markt nicht zu gefährden, hat er das gemacht, anschließend aber dagegen geklagt. Tommy Erbe war der Meinung, dass Terrorabwehr nicht Privatsache eines Veranstalters sei, sondern Sache des Staates, seine Bürger vor dieser Gefahr zu schützen. Er gewann die Klage. Begründung: Der Schutz der Bürger vor Terrorabwehr muss durch den Staat gewährleistet sein.

Weihnachtsmarkt mit Abitur

Rechtzeitig hatte er nun für 2019 die Genehmigung für den Weihnachtsmarkt eingereicht. Bisher hat der Bezirk aber keine Genehmigung erteilt. „Es könnte also durchaus sein, dass einer der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands dies Jahr nicht stattfindet“, sieht Tommy Erbe der Realität in Berlin ins Auge.

Dabei hat er hier einen Weihnachtsmarkt angesiedelt, der anders ist als viele. „Schon oft habe ich gehört, dies sei ein Weihnachtsmarkt mit Abitur“. Ein Lächeln huscht über Erbes Gesicht. „Hier ist es sauber, hier gibt es nur leise Musik, zudem Events wie die „Engel des Lichtes“ und Musikvorführungen. Frauen müssen keine Angst haben, belästigt zu werden“, so Tommy Erbes Fazit.

Einigen Mietern droht die Pleite

Etwa 70 Prozent seiner Mieter seien bereits seit 2007 dabei. Und für so manchen könnte das Aus des Weihnachtsmarktes auch die Pleite für sein Geschäft sein. Eine Mieterin verwies darauf, dass sie die meiste Zeit des Jahres für den Weihnachtsmarkt arbeite. Ohne diesen Umsatz sieht sie ihr Geschäft grundsätzlich bedroht.

Wirtschaftliche Bedeutung

Aber nicht nur für einzelnen Mieter droht Verlust. „Gerade für den Bezirk ist dieser Weihnachtsmarkt auch wirtschaftlich von Bedeutung“, gab Andreas Statzkowski zu Bedenken. Rund eine Million Besucher erfreuen sich dort jedes Jahr. „Wir haben sogar mit Mietern zu tun, die aus Asien und Südamerika zu uns kommen“, unterstützt Tommy Erbe die Ausführungen. Und er ergänzt: „Rund 12 Millionen Euro Umsatz haben wir – und auch die Geschäfte im Umkreis des Marktes profitieren davon.“ 

Westend macht Wirbel in Deutschland

Tommy Erbe hat den Eindruck, dass der Bezirk hofft, er würde aufgeben und sich als Veranstalter zurückziehen. „Mit einem anderen Veranstalter hat es der Bezirk denn vielleicht leichter“, resümiert er. Er will nicht aufgeben, kämpft darum, dass er nicht als Privatmann für die Terrorabwehr auf dem Weihnachtsmarkt zuständig ist. „Westend macht Wirbel in Deutschland“, kommentiert Tommy Erbe sein Engagement. Er hofft auf ein Grundsatzurteil, dass auch anderen Veranstaltern von Weihnachtsmärkten hilft.

Zirkus Voyage soll vom Olympiastadion weg

Auch der Zirkus Voyage hofft auf ein positives Urteil. Dem Traditionsunternehmen droht ebenfalls das Aus. Denn in diesem Jahr soll der Zirkus nicht an seinem angestammten Platz am Olympiastadion zur Weihnachtszeit seine Zelte aufbauen dürfen. Der Grund: Der Senat hat das Gelände umgewidmet und die Hälfte des Platzes bereits an ein Unternehmen vermietet, das dort Wohnwagen abstellt – und zwar die nächsten fünf Jahre. Für einen Zirkus wäre dann erheblich weniger Platz – wenn überhaupt.

„Es entsteht immer mehr der Eindruck, dass die Zirkusleute generell wegsollen“, äußert Klaus Kaulis vom Verband deutscher Circusunternehmen e.V. seinen Unmut. Das sei ein Trend in ganz Deutschland. „In Berlin ist das gerade eine gefährliche Situation, denn andere Städte werden diesem Beispiel folgen, sollte die Klage gegen den Zirkus entschieden werden.“ Alois Spindler, Direktor des Zirkus Voyage, ist fix und fertig. „Jedes Jahr gibt es andere Auflagen für uns. Wenn die Berliner uns nicht sehen wollten, wäre ich ja weg – aber so ist es doch nicht.“

Zirkus ist Theater des Volkes

Und auch Tiere wollen die Besucher sehen – ganz besonders die Wildtiere seien sehr beliebt, nicht nur bei Kindern. Viele Stammbesucher würden die Tiere mit Namen kennen, da sie jedes Jahr wieder zum Weihnachtszirkus kommen und nach ihnen schauen. Aber gerade die Wildtiere sind Tierschützern ein Dorn im Auge. „Alle Tiere sind meine Familie, ihnen geht es gut bei uns. Und Zirkus ist mein Leben. Das ist kein Beruf, den ich einfach so mal wechseln kann“, betont Spindler. Leidenschaftlich tritt er für sein Traditionsunternehmen ein, das nun im 25. Jahr am Olympiastadion gastieren möchte, aber bisher keine Genehmigung erhalten hat. „Zirkus ist Theater des Volkes“ betont Klaus Kaulis, "aber leider wird der Zirkus als Kulturgut nicht anerkannt.“ Dennoch hofft er, dass die Genehmigung für die Weihnachtszeit doch noch erteilt wird.

Wenn nicht, kann das auch hier an die Substanz gehen, denn rund 40 Prozent des Jahresumsatzes macht der Zirkus im Weihnachtsgeschäft. „Wir arbeiten ohne öffentliche Zuschüsse“, betont Zirkusdirektor Spindler, „und auch deshalb muss ich Planungssicherheit haben.“

 

 

 

IST WESTEND DER SCHÖNSTE ORTSTEIL BERLINS?
Auf jeden Fall
Joa, ist ganz schick
Es gibt schönere