Im Interview


Ihr direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis Westend ist Andreas Statzkowski. Wer ist dieser Mann? Was bewegt ihn? Was möchte er erreichen? Was kann er für Westend, für Charlottenburg-Wilmersdorf, für Berlin tun? Was läuft falsch in der Politik?  Andreas Statzkowski im Interview. Das Gespräch führte Anne Preun-Specht.


Herr Statzkowski, sie sind 1972, also vor 45 Jahren in die Junge Union eingetreten. Was hat Sie dazu bewogen?

Die Situation an meiner Schule. Es gab eine Gruppe von Schülern, die der KPD zugehörig war. Es gab hochpolitisierte Diskussionen in der Klasse - bis hin zu Streiks. Das hat mich bewogen, mich mit den Dingen auseinanderzusetzen, mit Jungsozialisten und Jungdemokraten. Ich habe dann für mich den Weg in die Junge Union und auch die Schüler Union gewählt.
 

Haben sich Ihre Hoffnungen erfüllt bzw. was hat Sie darin bestätigt, den richtigen Schritt getan zu haben?

Erwartungen im Sinne von Ämtern hatte ich damals nicht. Mir ging es darum, mich politisch zu positionieren. Und ja – es war der richtige Schritt. Es ist ja ein Großteil meines Lebens geworden.

Welche Vorbilder in der Politik haben Sie beeinflusst oder sogar geprägt?

Das kann ich so nicht beantworten. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen, muss mit Kritik fertig werden, hat gewisse Dinge erreicht oder auch nicht. Das gilt auch für Politiker und in diesem Sinne hatte ich da kein Vorbild. Das kam eher aus dem Sportbereich. Und da war es Bodo Tümmler, Leichtathlet und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko über 1500 Meter. Er startete für den SCC Berlin – klar, dass ich mich mit ihm identifizieren konnte. Heute bin ich Präsident dieses Vereins, der zahlreiche Medaillengewinner hat.
 

Wie hat sich die CDU in diesem fast halben Jahrhundert verändert und für welche Werte stehen CDU und Andreas Statzkowski heute?

Die CDU ist eine moderne und liberale Großstadt-Partei geworden. Es gibt neue Themen, mit der sich auch eine christliche-demokratische Partei auseinandersetzen muss. Das macht die CDU und das mache ich. Meine Ausrichtung ist, dass ich schaue, was politisch notwendig ist und dann versuche, dafür Lösungen zu finden.
 

Im Schicksalsjahr 1989 zogen Sie in die BVV (Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg) ein und wurde schon ein Jahr später zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. 1992 wurden Sie Bezirksstadtrat und 2001 zum Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf gewählt. Was reizt einen ausgebildeten Lehrer an der Kommunalpolitik?

Ganz eindeutig der Kontakt vor Ort. Ich möchte mit den Menschen reden, mich um ihre Anliegen kümmern und ich will dann auch Lösungen erreichen. So wie wir es – nur als ein Beispiel -  in Pankow geschafft haben, einen Kunstrasenplatz für die Hockeyspieler im Prenzlauer Berg anzulegen. Vor einem Jahr war die Einweihung. Daran kann man erkennen, dass sich die Einsätze auch lohnen.
 

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihren Bezirk, an Charlottenburg-Wilmersdorf, denken?

Das ist mein Heimatbezirk. Ich kenne mich hier aus, hier bin ich als Junge um die Häuser gezogen. Und die Menschen kennen mich auch. Das alles sind gute Gefühle für mich.
 

Welche Probleme stehen auf Ihrer Prioritätenliste ganz oben?

Die schlechte Haushaltspolitik der jetzigen Rot-Rot-Grünen Senats. Die fehlenden Investitionen im Bezirk, wenn es um Neu-oder Umbauten geht und die fehlende Sanierung des Bezirkshaushaltes. Wir haben hier in letzter Zeit eine schlechtere Lebensqualität bekommen. Es fehlen Sporthallen. Bisher gibt es nur einen begonnenen Neubau im Wilmersdorf – das hilft aber in Westend niemandem. Wir brauchen dringend finanzielle Freiräume für neue Schulen, Kitas und Sportplätze.
 

Was bedeutet Ihnen Ihr Wahlkreis Westend?

Ich bin seit 40 Jahren hier in Westend und bin 25 Jahre lang Vorsitzender im Ortsverband gewesen. Hier bin ich zuhause – und das sage ich aus voller Überzeugung – auch wenn ich hier jetzt nicht mehr wohne. Wenn ich mal die Zeit habe die Reichsstraße – oder auch anderswo im Bezirk – entlang zu gehen, dann treffe ich viele Bürger. Sie sprechen mich an, reden mit mir. Dies alles ist doch ein gutes Zeichen.
 

2016 sind Sie zum dritten Mal in Folge direkt ins Abgeordnetenhaus gewählt worden. Sie gehören u.a. dem wohl wichtigsten Ausschuss, dem Hauptausschuss, und dem Sportausschuss jeweils als stellvertretender Vorsitzender an. Wie wichtig ist für Sie die Arbeit in der Opposition?

Sehr wichtig, denn meine Rolle ist es ja – salopp gesagt – der Regierung Beine zu machen. Das ist wichtig und mit guten Ideen kann man viel erreichen.
 

Berlin gilt als eine der faszinierendsten Städte Europas. In welchen Feldern muss sich Berlin verändern?

Auf jeden Fall hinsichtlich der öffentlichen Infrastruktur. Wir hinken baulich hinterher und unsere Personaldecke ist zu dünn. Es dauert mindestens ein halbes Jahr bis eine Stelle bewilligt und dann auch besetzt wird. Das ist zu lang. Wir haben in der letzten Legislaturperiode noch durchsetzen können, dass über 100 Stellen zusätzlich geschaffen werden, die von den Bezirken zu besetzen waren -  aber das reicht nicht. Welche Bereiche auf jeden Fall gestärkt werden müssen, sieht man im Alltag. Ich benötigte einen internationalen Führerschein und hatte einen Termin im Bürgeramt vereinbart. Dort erklärte man mir dann, dass ich hier nur einen Antrag stellen kann, wenn ich schon im Besitz eines Kartenführerscheins bin – meiner ist aber noch ein älterer. Jetzt musste ich mich an einem anderen Tag bei der entsprechenden Behörde früh morgens in die Warteschlange stellen, in der Hoffnung, erst einen Kartenführerschein zu bekommen, um dann den internationalen beantragen zu können. Fest steht: die Frage der Digitalisierung der Verwaltung muss unbedingt Priorität haben. Nicht der Bürger muss laufen, sondern die Daten.
 

Und wo kann Berlin sich entspannt zurücklehnen und den jetzigen Zustand genießen?

Hinsichtlich der Attraktivität der Stadt und der Lebendigkeit, die hier herrscht. Auch wenn sich man einer noch die „Berliner Schnauze“ gewöhnen muss und man den Berlinern durchaus auch nachsagt, dass sie nicht immer die freundlichsten sind. Aber auch das gehört zu uns – so sind wir nun mal.
 

In der letzten Legislaturperiode (2006 – 2011) waren Sie als Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport u.a. für Information- und Kommunikationstechnik verantwortlich? Inwieweit konnten Sie in dieser Zeit den Zuständigkeits-Dschungel zwischen den Ämtern und Behörden durchdringen? Oder – gibt es überhaupt eine Machete, die scharf genug wäre, um den Egoismus der einzelnen Dien stellen zu beschneiden?

Es ist schon unglaublich schwer, eine Veränderung der Strukturen zu erreichen. Aber Immerhin haben wir das E-Government-Gesetz beschlossen. Anstelle von 70 IT-Dienststellen gibt es nun eine zentrale Dienststelle und einen Standard-PC mit standardisierter Technik. Und Probleme mit der Umstellung von Betriebssystemen wie XP auf Windows 7 gehören hoffentlich der Vergangenheit an. Aber dafür ist nun die SPD verantwortlich. Aber wir haben die Grundlage geschaffen. Zudem haben wir die E-Akte angeschoben, d.h. in der Verwaltung wird jetzt immer mehr elektronisch gearbeitet und Papier soll bald gänzlich abgeschafft werden.  Ab 2023 soll nur noch elektronisch gearbeitet werden. Trotz gesetzlicher und finanzieller Absicherung muss ich feststellen, dass der Rot-Rot-Grüne Senat dem Zeitplan für dies Ziel deutlich hinterherhinkt. 
 

Als „Sport-Staatssekretär“ mussten Sie die Chance auf Ausrichtung der Olympischen Spiele der Hansestadt Hamburg überlassen, die dann allerdings auch scheiterte. Wie sieht Ihre Nachbetrachtung aus?

Aus heutiger Sicht was es Glück, dass wir uns mit einer Bewerbung befasst haben. Es war eine Zeit in der Sportpolitik wichtigstes Thema war. Das war gut. Allerdings muss ich auch sagen, es wäre unglaublich wichtig gewesen, sich dann auch wirklich für die Spiele zu bewerben. Es wäre ein riesiger Push für unsere Infrastruktur gewesen und die finanziellen Mittel wären einfacher geflossen – darunter ja auch Mittel vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Mit Olympischen Spielen hätten wir etliche Defizite in unserer Stadt beheben können.
 

Berlin ist eine Sportstadt mit zahlreichen Großevents in vielen Sportarten. Kommt der Breitensport dabei zu kurz?

Nein, das ist nicht so. Wir konnten erreichen, dass das Geld für die Sportanlagensanierung verdoppelt wurde. Zudem haben wir hinsichtlich vieler anderer Baustellen wie Übungsleiter-Pauschalen und der Sonderbauprogramme für Sportstätten durchaus Fortschritte erzielt. Stolz bin ich darauf, dass wir in der letzten Legislaturperiode den Sporthaushalt von 70 auf jährlich 100 Millionen Euro anheben konnten.
 

Sie sind Präsident eines der größten Sportvereine Berlins, dem SCC (Sport Club Charlottenburg) und waren selbst sportlich als „Geher“ unterwegs. Wie kamen Sie zu dieser Disziplin?

Das war nicht sofort „meine Disziplin“. Wie alle habe ich als Kind und Jugendlicher viele Sachen ausprobiert. So z.B. das Diskuswerfen und auch das Laufen. Meine Eltern waren beide aktive Mitglieder im SCC. Mein Vater ist ein guter 200 – und 400-Meter-Läufer gewesen, meine Mutter Trainerin im SCC. Da war ich gefühlt sowieso schon immer auf dem Sportplatz und im Stadion. Das hat sich dann irgendwann so ergeben, dass ich mich fürs Gehen entschieden habe.
 

Was kann man daraus für den Alltag mitnehmen?

Ich habe mitgenommen, dass Fairness und Sport eine Symbiose bilden. Für mich sind sie Grundprinzip im Leben geworden.
 

Ein solches Interview kommt ohne die Frage nach Ihren ganz persönlichen Werten nicht aus?

Sport bedeutet auch immer Leistung zu erbringen. Für mich ist es wichtig, an sich selbst Ansprüche zu stellen und sie dann auch mit Leben zu erfüllen. Das alles gehört zu meinem Leben unabdingbar dazu.
 

Wie antworten Sie auf die Gretchenfrage aus Goethes „Faust“: Wie hältst du es mit der Religion und wie beeinflusst Sie das bei Ihrer täglichen Arbeit in der Politik?

Ich bin katholischer Religionslehrer und das ist mein wichtigstes Fundament für mein Leben und meine Einstellung.
 

Wenn Sie jungen Menschen, beispielsweise in der Jungen Union, einen Leitspruch mit auf den Weg geben sollten, welchen würden Sie wählen?

Denke nicht nur ans Fortkommen, sondern daran wie du die jetzigen Aufgaben, die du wahrnimmst, ausfüllen kannst.

EIN NEUES STADION FÜR HERTHA BSC ?
Hertha BSC soll ein neues Stadion auf dem Gelände des Olympiaparks bauen!
Das Olympiastadion soll bei Erhalt seiner Multifunktionalität umgebaut werden!
Es soll alles so bleiben, wie es ist. Kein Neubau und auch kein Umbau!